Telefon: 0163 37 112 19

Email: kontakt.ergoiris@gmail.com

Adresse: Bockumer Str. 260 - 40489 Düsseldorf

Blogbeiträge


Nachfolgend finden Sie eine kleine Auswahl meiner bisherigen Blogbeiträge.

Sie möchten weitere Blogbeiträge lesen? Dann folgen Sie mir unter
facebook.com/ergoiris
instagram.com/ergoiris

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und denken Sie immer daran
„Ein Blick über den Tellerrand schadet nie!“.


Was wir aus der aktuellen Schulsituation lernen können: 1. nicht immer ist der Lernstoff das „Problem“:
einige Kinder können zuhause aktuell wunderbar lernen, d.h. bei Schulschwierigkeiten sollte immer auch an den LernORT „Schule“ als solchen gedacht werden (Reizüberflutung? Mobbing? Streit mit Freunden?,…)

2. Lernen funktioniert nicht ohne Pausen:
auch du wirst bestimmt festgestellt haben, dass es deinen Kindern nicht gelingt, alle Homeschooling-Aufgaben in einem Rutsch zu erledigen - falls dein Kind dies doch einmal durchgezogen hat, hast du bestimmt festgestellt, dass kaum etwas vom Lernstoff hängengeblieben ist

3. Struktur ist das A und O:
bis zu einem gewissen Alter sind Kinder noch nicht in der Lage, ohne jegliche (Zeit-)Vorgaben zu lernen – ganz im Gegenteil: eine gute Struktur erleichtert ihnen das Lernen, wirkt sich positiv auf die Konzentration aus und verkürzt die Hausaufgaben-/Lernzeit

4. Lernen funktioniert am bestem im Alltag:
viele Kinder lernen die Themen des Lehrplanes nicht anhand der Aufgaben in Büchern etc. sondern durch eine Verknüpfung der Inhalte mit Alltagsthemen (z.B. Preise beim Einkaufen zusammenrechnen, ein Rezept beim Kochen lesen, selbst Blumen anpflanzen,…)

5. fokussierte Aufmerksamkeit ist eine wichtige Voraussetzung für Lernen

6. das Umfeld und insbesondere die Stimmung im Umfeld wirkt sich auf das Lernen aus:
stehen die Bezugspersonen unter Stress, wird sich dies auch auf das Kind übertragen

7. in der Ruhe liegt die Kraft:
Druck und Stress führt i.d.R. zu Lernblockaden – selbst Kinder, die besser unter ZEITdruck lernen können, lernen i.d.R. nicht gut unter LEISTUNGSdruck, sozialem Druck etc.

8. ohne intrinsische (= von innen heraus) Motivation ist jeder Versuch, dein Kind zum Lernen oder den Hausaufgaben zu bewegen, ein Kampf

9. manchmal ist extrinsische Motivation (= Belohnungen/ Anreize von außen) nötig und sinnvoll

10. Lernen funktioniert auch über den Vergleich mit Freunden:
natürlich ist es wichtig Kindern beizubringen, dass sie sich nicht durchgehend mit anderen Personen vergleichen sollen(!), aber zu sehen, was Freunde bereits können, kann auch ein guter Ansporn sein

Ein Blick über den Tellerrand schadet nie!: Erstgespräch. Vor mir sitzt eine auffällig aufreizend gekleidete junge Dame. Ich muss mich regelrecht bemühen, meinen Blick nicht auf ihr Outfit schweifen zu lassen… Bis sie ihre Tasche öffnet und einen riesengroßen Stapel Papierkram hervorholt der mich gedanklich in seinen Bann zieht. „Oh wow, sie ist aber top vorbereitet!“, denke ich. Doch plötzlich meldet sich ein anderer Anteil in mir „Wow, was ihr Sohn mit 7 Jahren alles schon durchgemacht haben muss – ich hoffe, das sind nicht alles Vorbefunde!“ Verzweifelt versuche ich in dem Papierhaufen ein gemaltes Bild und die geforderten Kindheitsfotos zu entdecken. Fehlanzeige. Tatsächlich liegt ein Mount Everest an Vorbefunden vor mir. Im Gespräch berichtet Frau A. mir von den Alltagsschwierigkeiten ihres Sohnes. Er habe die 1. Klasse wiederholen müssen, da er bereits jetzt den Anschluss in allen Fächern verpasst habe. Seine Leistungen seien in allen Fächern schlecht gewesen und er blocke ab, sobald das Thema Schule angesprochen werde. Im SPZ sei ein ADHS und eine unterdurchschnittliche Intelligenz diagnostiziert worden.

Nach Feierabend krame ich den Befund-Stapel noch einmal hervor und lese ihn quer. Ich beschließe, L. erst einmal persönlich kennenzulernen.

In den folgenden Wochen erlebte ich einen sehr kreativen Jungen mit einer erstaunlich guten kognitiven und physischen Ausdauer sowie einer sehr guten Problemlösefähigkeit beim Spielen. Allerdings ausschließlich beim Spielen. Wie von seiner Mutter angekündigt, musste auch ich nur das Wort „Schule“ in den Mund nehmen und L. machte komplett dicht. Natürlich ist Spielen interessanter als Schule, aber einen derart krassen Verhaltensunterschied beim Spielen und bei Aufgaben am Tisch hatte ich zuvor noch nie erlebt. Hier half nicht einmal ein Engagementziel und das verdeutlichen des Nutzens der Zielerreichung. Also nahm ich mir doch noch einmal die Vorbefunde vor. Ich studierte gefühlt jedes einzelne Wort bis ins Detail bis ich schließlich „die Lücke fand“. Tatsächlich wurde in dem ganzen Ärztemarathon eine sehr wichtige Diagnostik vergessen. L war noch nie bei einem Orthoptisten gewesen. Missmutig vereinbarten seine Eltern daraufhin einen Termin.

Wenige Wochen später begrüßte mich L. in der Ergotherapie freudestrahlend mit einer Brille auf der Nase. L. war weitsichtig – 4(!!) Dpt. auf beiden Augen - er konnte also nahe Dinge, z.B. Schrift in Büchern überhaupt nicht erkennen. Von dem Tag an wurde er von Zeit zu Zeit wieder motivierter in Bezug auf schulische Themen und holte das fehlende Wissen schnell auf.

Fun Fact: Kinder können bis zu einem gewissen Alter bis zu 7Dpt. im Alltag ausgleichen ohne dass dies vom Umfeld bemerkt wird. Auch bei einer klassischen Untersuchung beim Augenarzt kann dies untergehen, weshalb ich grundsätzlich vor Schuleintritt eine Diagnostik bei einem Orthoptisten empfehle.

In diesem Sinne: blickt immer schön über den Tellerrand!

„Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast": Ja, ich habe tatsächlich einmal ganze 5 Semester einen Ausflug in Welt der Psychologiestudenten gewagt.
Was hat mir dieser Ausflug gebracht?
Einen erschreckenden Einblick in unser Bildungs- und unser Gesundheitssystem sowie einen großen Blick Hinter die Kulissen der Forschung.

Wenn…
…du von einer neuen Behandlungsmethode hörst und dich fragst, ob sie wirklich hält, was sie verspricht
…du dir nicht sicher bist, ob der Therapieansatz, zu dem dir geraten wurde, wirklich hilfreich ist
…du dir in einer Situation unsicher bist, wem du nun glauben sollst
…du in dem Wust an Therapiemethoden einfach nicht mehr weißt, welche Methode wirklich hilfreich und welche nur Scharlatanerie ist >>Dann hilft ein Blick über den Tellerrand!<< Lies dich selbst kritisch in die aktuelle Studienlage ein.
U.a. mit den Punkten auf dem Bild solltest du dich auseinandergesetzt haben, bevor du eine Studie oder ein Experiment kritich hinterfragst.
!!!!! ABER ACHTUNG !!!!!
Es gibt natürlich noch einen entscheidenden Haken an der Sache:
Studien oder Experimente können noch so gut vorbereitet, durchgeführt und statistisch richtig ausgewertet und interpretiert sein,
ob und wie sie veröffentlich werden, ist abhängig von z.B. dem Ansehen des Forschers, der die Studie oder das Experiment durchgeführt hat, gerne auch mal von der Pharmaindustrie oder einer anderen Lobby,
dem aktuellen Interesse der Gesellschaft
oder zahlreichen weiteren mich ziemlich aggressiv machenden Umständen.

Vorbereitung auf einen Arzttermin: Heute steht wieder ein Arzttermin bei einem neuen Arzt an. Ich benötige dringend eine spezielle Diagnostik, die nicht zur Standarddiagnostik gehört und in meinem Alter schon gar nicht einfach so durchgeführt wird. Ich könnte mich jetzt stundenlang darüber aufregen, dass unser Gesundheitssystem an der ein oder anderen Stelle nicht gut durchdacht ist (um es nett zu formulieren), aber dann würde wahrscheinlich folgendes passieren:
ich würde genervt das Behandlungszimmer betreten, darauf warten, dass der Arzt selbst darauf kommt, was ich von ihm möchte (schließlich ist ER ja der Fachmann), mich darüber ärgern, dass er scheinbar keine Ahnung von der Materie hat und dann – ohne mein Ziel erreicht zu haben – enttäuscht nachhause fahren.

Wenn dir das auch manchmal so geht, hilft ein Blick über den Tellerrand!

Nachfolgend meine Tipps, wie ich mich auf jeden meiner Arzttermine vorbereite:

1.ich lese mich sehr gut in die Thematik ein, damit ich möglichst alle Behandlungsoptionen kenne und erkennen kann, ob mein Gegenüber mir einen vom Pferd erzählt oder Ahnung hat von der Materie

2.wenn es eine passende Leitlinie der awmf zu meiner Erkrankung gibt, lese ich diese vorab

3.ich bringe Vorbefunde etc. in Kopie mit, damit mein Gegenüber merkt, dass ich nicht bloß mit Internet-Halbwissen daherkomme und einfach nur Lust habe, ein Bisschen nett zu plaudern, sondern wirklich an einer Linderung meiner Symptome interessiert bin

4.ich notiere mir Fragen etc. vorab und nehme diesen Notizzettel mit zum Termin, damit ich den Raum nicht mit dem typischen „Ach mist, ich wollte ja noch dies und jenes gefragt haben-Gedanke“ verlasse

Kürzlich habe ich aus verschiedenen Gründen einen Arzt gewechselt. Die neue Ärztin nahm sich sehr viel Zeit, mich über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und deren Vor- und Nachteile zu informieren. Erschrocken schlug ich gedanklich die Hände über dem Kopf zusammen. Meine letzte Ärztin hatte mich nicht nur nicht vollständig informiert, ihr Behandlungsansatz barg auch mehr Risiken, als er mir nutzte. Die Folgen darf mein Körper nun ausbaden. Wie konnte es so weit kommen? Ich hatte mich ausnahmsweise weder vorab noch im Nachhinein richtig in die Thematik eingelesen. Das wird mir heute nicht passieren!

Dynamisches Sitzen: Aus gegebenem Anlass erneut ein sehr wertvoller Trick:

Kürzlich stellte mir eine Mutter, deren Tochter ich gerade erst aufgenommen hatte, folgende Frage: „Warum bieten Sie meiner Tochter eigentlich ein dynamisches Sitzkissen an? Sie ist doch sowieso so hibbelig – dann wird sie doch nur noch unkonzentrierter!... oder?“ In der Schule wird häufig noch die „90-Frad-Haltung“ empfohlen, d.h. man sitzt dauerhaft mit geradem Rücken auf einem Stuhl und der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel beträgt 90 Grad. Abgesehen davon, dass dauerhaftes Sitzen in dieser Position zu Verkürzungen der Muskeln (Hüftbeuger) führt und somit muskuläre Beschwerden verstärkt, ist diese Art des Sitzens nicht förderlich für die Konzentration. Wenn du bisher auch dachtest, dass diese Art des Sitzens die beste ist >>dann hilft ein Blick über den Tellerrand!<<
Inzwischen geht man davon aus, dass >>dynamisches Sitzen<< die effektivste und gesündeste Art zu sitzen ist. Dynamisch bedeutet in diesem Fall, dass man die Sitzposition so oft wie möglich wechseln sollte. Dies verhindert nicht nur die o.g. Verkürzungen der Muskulatur – es fördert auch die Muskelspannung und somit die „Wachheit des Gehirns“.
Denn was vielen nicht bewusst ist: die „Wachheit des Gehirns“, die konzentriertes Arbeiten ermöglicht, wird im selben Teil des Gehirns gesteuert wie unsere Muskelspannung.

Durch die Bewegung wird also Muskelspannung aufgebaut und gleichzeitig das „Gehirn angeschaltet“, um konzentriert arbeiten zu können.
Und was hat dies nun mit meiner „hibbeligen Patientin“ zu tun? Ganz einfach: sie fängt unbewusst an, „herumzuhibbeln“ um ihr Gehirn „anzuschalten“. Der Körper ist nämlich schlau. Statt vor Müdigkeit mit dem Kopf auf den Tisch zu fallen, wird er hibbelig, um wieder wach zu werden. Da das Herumhibbeln häufig die Mitschüler ablenkt, hilft es, zwischendurch die Sitzposition bewusst zu wechseln. Dadurch wird das „Herumhibbeln“ überflüssig.

Jedes gesunde Kind hat einen angeborenen Entdeckerdrang: „Er/ Sie hat doch einfach nur keine Lust!“
„Er/Sie ist einfach unmotiviert!“
„Er/ Sie arbeitet ausschließlich lustbetont!“
„Er/ Sie macht sofort dicht, weil er/sie überhaupt keine Ausdauer hat, wenn die Aufgabe für ihn/sie langweilig ist!“
Hast du solche Sätze über dein Kind auch schon einmal von z.B. einem/r Lehrer/in gehört oder selbst schon einmal Ähnliches über dein Kind gedacht?
>>Dann hilft ein Blick über den Tellerrand!<<
Jedes gesundes Kind hat von Geburt an einen natürlichen „Entdeckerdrang“, um seine Umwelt zu erkunden. Aufgrund meiner Erfahrungen in der Ergotherapie gehe ich nie davon aus, dass ein Kind einfach unmotiviert ist. Bisher hatte jedes angeblich unmotivierte Kind ein bisher unentdecktes Defizit in einem bestimmten Bereich, das dazu geführt hatte, dass das Kind entweder aus Angst, dass seine Schwierigkeit entdeckt wird oder aus Scham, weil es sich selbst „anders“ fühlte, aber dieses „Anderssein“ nicht erklären konnte, „dicht gemacht hat“.
Hier einige Beispiele für mögliche Ursachen der fehlenden Motivation:
- Sehstörung
- auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung
- Teilleistungsstörung
- Restreaktionen frühkindlicher Reflexe


Vom genervten Durchschnittsschüler mit 250 Fehltagen zum Durchstarter: Seit ein paar Tagen steht es fest– die Schulen bleiben für viele Kinder noch zu. Doch statt sich über die positiven Seiten dieser Entscheidung zu freuen, blicke ich in der Praxis täglich in panische Gesichter. Nicht die Organisation einer Betreuung des Kindes für arbeitende Eltern ist das Problem sondern Ängste wie:
>„Oh mein Gott, wie soll mein Sohn nur später das Abitur schaffen?“
>„Wie sollen wir nur den ganzen Lernstoff aufholen?“
>„Können Sie bitte dafür sorgen, dass meine Tochter auch die Zusatzaufgaben erledigt?! – das ist mir sehr sehr wichtig!“

Wenn auch du ähnliche Sorgen hast, >>hilft ein Blick über den Tellerrand!<<

Betrachte die aktuelle Situation bitte bitte als Chance für dein Kind, endlich Zeit zu haben, sinnvolle Dinge zu lernen, für die im Schulalltag laut Lehrplan keine Zeit bleibt. -
Denn das ist die einzige Möglichkeit, die intrinsische (=von innen heraus) Motivation deines Kindes fördern und somit den Lernerfolg zu vergrößern!

Aufgrund einer angeborenen Erkrankung, die mich viele Jahre begleitet hat, hatte ich in manchen HALBjahren 120 Fehltage. Ich erinnere mich sogar wage an ein Abschlusszeugnis mit 250 (ca. 8 Monate) Fehltagen. Ich war eine Niete in Mathe (hatte bis zur 10. Klasse mit Mühe eine 4), konnte Fächern wie Geschichte überhaupt nichts abgewinnen und konnte mit meiner mündlichen Mitarbeit erst recht nichts rausreißen - nicht einmal mit einem sportlichen Talent konnte ich glänzen. Darüber hinaus fand ich so ziemlich jedes Thema in jedem Fach für mich und mein Leben „unbrauchbar“ und hatte dementsprechend überhaupt keine intrinsische Motivation. Stattdessen habe ich mich lieber stundenlang darüber geärgert, warum ich das alles lernen muss. -
Und das Ende vom Lied?
Inzwischen habe ich mein Abitur mit einem guten NC bestanden, mein Staatsexamen als Ergotherapeutin absolviert, zahlreiche Praktika und Prüfungen mit Bestnoten abgeschlossen, 4 Semester Psychologie studiert und in dieser Zeit alle Prüfungen bestanden sowie jeden Vortrag mit einer Bestnote abgeschlossen… und das Wichtigste: zahlreiche Jobangebote erhalten, sodass ich oft beruflichen Entscheidungsluxus hatte.
Heute bin ich eine glückliche Ergotherapeutin und Dozentin und habe noch zahlreiche weitere Pläne.
Wie ich das mit 250 Fehltagen geschafft habe? Nach 10 Jahren Schulzeit habe ich plötzlich von selbst verstanden, was ich im Leben erreichen möchte und was ich dafür tun muss, sodass ich ab der Oberstufe richtig „reingeklotzt habe“.

Weder irgendwelche Zusatzaufgaben (die ich übrigens auch nie gemacht habe), noch irgendwelche harten Worte meines Umfeldes haben zum Erfolg geführt. Die treibende Kraft war einzig und allein meine intrinsische Motivation, das Abitur schaffen zu wollen, um den Beruf erlernen zu können, den ich gerne erlernen möchte.
Dein Kind hat noch keine intrinsische Motivation? Dann ist genau jetzt die perfekte Zeit, sie aus ihm herauszulocken. Und für den Fall, dass das unerwarteterweise nicht funktioniert: du siehst an mir, es reicht auch, wenn sie erst in der Oberstufe zum Vorschein kommt!
Abschließend ein riesengroßes Dankeschön an meine Eltern, die trotz dieser Umstände die meiste Zeit die Nerven behalten haben und mich immer bei all meinen Plänen unterstützen!

„Wenn jemand zu dir sagt „Das geht nicht!“ denk daran: Es sind seine(!) Grenzen, nicht deine!“: Hachja... "Autismus"... mit diesem Thema könnte ich ebenso mindestens einen ganzen Monat füllen. Hier kommt nun aber erst einmal eines der Fallbeispiele, die mich ganz besonders berührt und gleichzeitig auch echt fasziniert haben.
Frau A. hatte über eine Freundin von meiner Arbeit gehört und rief daraufhin sofort in der Praxis an, um einen Termin für ein Erstgespräch zu vereinbaren. Sie berichtete mir, dass ihr Sohn (mittlerweile in der 5. Klasse) bereits sehr früh die Diagnose frühkindlicher Autismus erhalten habe. Er habe sich bis heute toll entwickelt, aber habe mehrmals am Tag einen Sensory Meltdown, der sich in Form von autoaggressivem Verhalten und einem viel zu hohen Erregungsniveau äußere sowie dem völligen Ausklinken aus der entsprechenden Situation.
"Hmmm... das wird ein ganz schönes Stück Arbeit!", dachte ich.
Aber dann kam alles anders.
Ich lernte B. kennen. Ein sehr liebevoller, höflicher Junge (wenn er nicht gerade in sein Spielen versunken war :-D) mit vielen Interessen und einer Unmenge an Ressourcen. Wieder einmal zeigte sich "ES GIBT NICHT DEN EINEN AUTISTEN". B. hatte zwar wirklich zu diesem Zeitpunkt häufig Meltdowns und dadurch auch im Schulalltag Schwierigkeiten, aber seine Eltern setzten alles, aber auch wirklich alles daran, dass er ein möglichst normales und selbständiges Leben führen kann. B. sprach während der gesamten Kindergartenzeit nicht, war immer ein Einzelgänger gewesen und hatte enorme Schwierigkeiten, neue Dinge zu lernen. Seine Eltern nahmen dies früh wahr, aber verzweifelten nicht daran. Stattdessen dachten sie von Beginn an lösungsorientiert, nahmen jede mögliche Unterstützung dankend an und erreichten so mit ihrer Zauberformel "Stärken stärken, geduldig sein, bedingungslose Akzeptanz und fördern fördern fördern", dass B. doch noch in der 1. Klasse normal sprechen lernte, eine Regelschule besuchen konnte, in einem integrativen Fußballverein mitspielte, Freunde fand und sogar eine Beziehung mit einem Mädchen aus seiner Schule einging.

Die sensory Meltdowns und damit einhergehenden Alltagsschwierigkeiten konnten wir - dank der wahnsinnig guten häuslichen Mitarbeit, ebenfalls schnell "aus dem Weg räumen". B. lernte, sein Erregungsniveau richtig einzuschätzen und mithilfe von Selbstregulations-Tricks an die entsprechende Situation anzupassen. Darüber hinaus erarbeiteten wir Tipps und Tricks für seine Wunschziele, einen Kopfball zu schießen und im Supermarkt einkaufen zu gehen. Der Weg bis dahin war recht lang und sicherlich nicht einfach, aber verdeutlichte, dass mit ein bisschen Ehrgeiz und gutem Willen alles möglich ist. Zum Abschied schenkte B. mir mit einem weinenden Auge eine selbstgebastelte Rose. Seine Mutter knipste noch ein Foto von uns beiden für sein "Meilensteine-Fotoalbum" und B. verließ stolz die Praxis.
Wenn also das nächste Mal wieder jemand zu dir sagt "Das geht nicht!", denk daran: es sind seine(!) Grenzen, nicht deine! Danke B., dass du mir gezeigt hast, dass im Leben alles möglich ist!

„Sei realistisch: plane ein Wunder!“: …Findest du diesen Spruch im 1. Moment auch so abgedroschen wie ich? Hast du ihn auch schon 1000. X gelesen? Findest du, dass er unrealistisch ist? Dann lies jetzt unbedingt weiter, um zu erfahren, warum ich ihn dennoch hier poste und wie du mit diesem Lebensmotto nicht nur deinen Alltag erfolgreicher gestalten, sondern dich sogar vor einem Misserfolg bewahren kannst... und natürlich: was das Ganze mit Ergotherapie zu tun hat.
Gestern hatte ich einen sehr unproduktiven Tag - alles, was ich angepackt habe, ist in die Hose gegangen - am Ende des Tages war ich ausgelaugt und hatte kaum etwas erledigt. Um heute nicht bereits demotiviert aus dem Bett zu kriechen, habe ich den Morgen dazu genutzt, mir meine Erfolge noch einmal sichtbar zu machen.
Ich erinnerte mich an folgende Situation: kurz vor meinem Examen war bei mir die Luft raus. Ich konnte mir einfach nichts mehr merken und beschloss, mich gedanklich abzulenken. Ich hatte Heimweh und klickte mich durch meine Düsseldorf-Fotos. Wie immer, wenn mein Kopf eigentlich für die Ausbildung lernen sollte, meldete sich mein kreativer Anteil. Ich begann, einige Fotos zu bearbeiten. Die Ergebnisse gefielen mir erstmalig so gut, dass ich anfing, visionär zu denken. Ergotherapie? Pah! Ich werde erfolgreiche Künstlerin. Ich werde eine Galerie haben und meine Fotos zu horrenden Preisen verkaufen. Das Geld werde ich sozialen Organisationen spenden.
Glücklicherweise schloss ich doch erst einmal meine Ausbildung ab, aber im Hinterkopf arbeitete ein Anteil weiter an meiner Vision. Immer wieder dachte ich gedanklich an meine Fotos, aber mein innerer Kritiker wurde von Mal zu Mal größer. "Wer soll die denn kaufen? Die sind stinklangweilig! Schuster bleib bei deinen Leisten!". Durch Zufall erfuhr ich von einem Künstlermarkt in Düsseldorf. Blauäugig meldete ich mich an, erhoffte mir jedoch gar nichts davon. Ich wollte meine Arbeiten einfach nicht auf meinem Laptop versauern lassen. Also versuchte ich es: ich rahmte mühselig hunderte Fotos ein, schnappte mir ein altes Garten-/Bierzelt und eine Bierbank und reihte mich - zusammengekauert und peinlich berührt - neben haufenweise professionelle Künstler mit einer top Ausstattung.

Ich war völlig unvorbereitet, da ich mit nichts gerechnet hatte. Lediglich meinen inneren Anteil wollte ich befriedigen. Doch dann kam alles anders: die Besucher standen Schlange, fragten mich nach der Adresse meiner Galerie und meines Onlineshops, kauften ein Bild nach dem Anderen, fragten nach Großformaten und gaben mir ihre Visitenkarten, damit ich Bilder für ihre Restaurants, Geschäfte etc. entwerfen könne. Meine Nachbarstände schauten verwirrt auf mich und meine Bierzeltgarnitur. Wow. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet und schlussendlich musste ich meine Kundschaft enttäuschen. Ich hatte weder einen Onlineshop, noch eine Galerie - geschweige denn einen Copyshop für Großformate. Ich hatte halt einfach kein Wunder geplant. Auf so ein Wunder war ich schlichtweg nicht vorbereitet. Überfordert mit dieser Reaktion verlief mein Projekt im Sand. Ich spendete einen Teil des unerwartet großen Gewinns und sparte bzw. spare den Rest seitdem als eiserne Notreserve. Die restlichen Bilder verstaubten von dort an im Keller. Viele Kunden verließen enttäuscht an diesem Tag meinen Stand, andere warten vielleicht heute noch darauf, dass ich mich melde und ihre Auftragswünsche erfülle. Hätte ich ein Wunder geplant, wäre ich auf diesen erfolgreichen Tag vorbereitet gewesen und hätte tatsächlich meine damalige Vision erreichen können. Fazit: THINK BIG! Auch im Alltag! Es gibt so viele kleine und große Wunder. Lass dich nicht von ihnen umhauen! Plane sie gezielt in deinen Alltag ein und nutze dann ihre Kraft, um dich einen Schritt näher an deine Ziele zu bringen.
Das gilt auch für die Ergotherapie: du hast einen Patienten mit einer "unheilbaren" Krankheit, der sein Wunschziel deshalb niemals erreichen wird? Wer sagt das? Sei doch lieber realistisch: Plane ein Wunder!


Copyright © 2021 Privatpraxis für Ergotherapie Imke Stropp